2005/2006

1. Landesweiter Schülerzeitungswettbewerb 2005/06

Preisträgerquote 30%

Kurz nach Nikolaus stapelten sich 19 buntverschiedene Schülerzeitungen im Rostocker Büro. „BRIT“, „Claus“, „Objektiv“, „USE“, „Schillerkurier“, „Buschfunk“, „Sado“, „Exmonte“, „Blitz“ und Artgenossen nahmen dann am 23. Januar den InterCity nach Schwerin. Der Haufen Schülerprintmedien redete aufgeregt, poste herum oder putzte sich heraus.

Es war der Tag der Entscheidung: Die siebenköpfige Jury lobte, kritisierte und entschied. Bei Kuchen, Kaffee und Tee startete man bei den Grundschulen und ließ nach fünf Stunden die Gymnasien hinter sich: Finger blättern Seiten, Augen mustern Bilder, Köpfe lesen Interviews, Gesichter lachen, Münder kommentieren und bewerten. Der Inhalt steht im Vordergrund, die Darstellung des Schullebens und die Interessenvertretung der Schülerschaft ist sind wichtig. Trendig steht gegen Underground. Das neue Maskottchen macht der Jury Spaß. Ein Hochglanzcover hinterlässt Eindruck…

Schnittchen im Schloss

Die Preisverleihung folgte am 26. April 2006 im Schweriner Schloss. Neben Preisen und Lobreden wurden drei kurze verschiedenen Diskussionsrunden angeboten:Vornehmer Festsaal im Schloss, Lobreden und Ansprachen, Urkunden und Blumensträuße überreichen – und doch keine gelangweilte Steifheit.

Wirklich nicht. Es war richtig schön. Ein freundliches Zusammen-Schnittchen-Essen wurde von aufgeregt sympathischen Vorstellungen der Redaktionen auf der Bühne gefolgt. Da waren 70 junge Zeitungsmacher im Schloss – auf der Bühne, sie bekamen Applaus und Anerkennung für ihr Engagement. Das haben sie verdient und sie haben sich drüber gefreut.

Sechs von zwanzig Einsendungen wurden ausgezeichnet! Der Preisträger im Landeswettbewerb in der Kategorie Förderschulen ist „Der Kobold“ aus Behrenshoff. In der Kategorie Gymnasium standen die „SuSuRRI“ aus Rostock(3. Preis), die „Unique“ aus Lübz(2. Preis) und der „KIEKER“ aus Pasewalk(1. Preis) auf dem Podest. Der „Stichling“ aus Bad Doberan erhält eine Sonderauszeichnung für das Layout. Die „Knuutsch“ aus Schwerin wird in der Kategorie

Regionale Schulen ausgezeichnet.

„KIEKER“, „Unique“ und „Der Kobold“ werdem an den Bundesschülerzeitungswettbewerb der Länder weitergereicht.

Preisträger + Laudationes

1. Preis in der Kategorie Gymnasium – Kieker

Mit fünf Jahren kam ich in die Schule. Ich wurde hier und da ein wenig aufgepäppelt, bekam ab der dritten Klasse Russisch als erste Fremdsprache, war Musterschülerin und später dann nicht mehr. Ich habe zigfach die Schule gewechselt, aus den unterschiedlichsten Gründen? Doch an keiner meiner besuchten Schulen gab es eine Schülerzeitung oder etwas, was man als solche erkennen konnte. Ich erinnere, dass ich mich immer wieder darüber ärgerte, es aber nie schaffte, diesen Missstand selbst zu beheben. Ich glaube, ich war auch einfach ein bisschen zu faul? Nicht zuletzt diese ? spätere ? Erkenntnis begründet meine Begeisterung und Bewunderung für junge Menschen, die fernab jeglichen Kommerzgedankens sich und ihre Umwelt reflektieren.

Häufig mit ganz geringen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen. Ganz so gering scheinen die Mittel beim Kieker, der Schülerzeitung des Oskar-Picht-Gymnasiums in Pasewalk, nicht zu sein. Der Kieker tritt selbstbewusst mit einem absolut marktfähigen Layout auf, ist prall gefüllt, ein Gute-Laune-Blatt, das unzählige Lobpreisungen verdient. Und jetzt auch bekommt:

Der Kieker lag am Tag der Jurysitzung zwischen all den anderen ausgebreiteten Schülerzeitungen auf dem Tisch. Die hochkarätige Jury ließ ihren Blick schweifen – und fast gleichzeitig griffen alle nach dieser Zeitung. Es sind die Kleinigkeiten, die sich in jeder Ecke, am unteren Rand, als Extra-Beilage wieder finden. Die Brechtüte zum Selberbasteln, der Aufruf zur Rettung der Eselsohren, der rote Faden als Lesezeichen, die kostenlosen Kleinanzeigen wie „Suche gute Entschuldigung für Fehlen am 30.11.04 in Geo bei Frau Heune“, „Suche Raum 309“, „Suche sympathische, interessierte Schüler für Deutsch LK 2005/2006.“ Aber auch geboten wird so einiges: „Biete lecker Butterbrote. Mutti.“

Die letztjährige Kieker-Dreifach-Ausgabe Nummer 343536 – ganz nebenbei habe ich erst gestern begriffen, dass es sich nicht um eine Nummerierung à la Götz Alsmann „dreihundertdreiundvierzigtausendfünfhundertsechsunddreißig“ handelte, erschien in einer Auflage von 250 Stück. Das heißt, 250 mal ein Eselsohr knicken, 250 mal einen roten Bindfaden anbringen, 250 mal ne CD und ein Notizblock rein… Ganz nebenbei erst einmal die Erstellung der beigelegten CD mit Nachrichtensendung, Reportagen, Videos, Musik…

Das Erfrischende am Kieker: Die Macher nehmen sich und das, was um sie herum geschieht, nicht so ernst. Fast noch erfrischender ist allerdings: Die Lehrer tun es auch nicht.

Herzlichen Glückwunsch!

Marieke Sobiech, Journalistin und Fotografin

2. Preis in der Kategorie Gymnasium – Unique

Unique (einzig, einzigartig) dieser Name ist zugleich Motto und Programm. Aus den Schülerzeitungen, die zur Jurysitzung vor uns ausgebreitet waren, fiel diese bereits durch ihr Titelbild und die äußere Gestaltung insgesamt positiv aus dem Rahmen: das Layout ist ausgefallen, durchgehend anspruchsvoll gestaltet. Das Stichwort dazu: freakig!

Es gibt eine wohltuende Übereinstimmung zwischen Inhalt und äußerer Form. Die Themenvielfalt reicht von aktuellen Berichten aus dem Schulleben, wie es sie auch in anderen Schülerzeitungen gibt, bis hin zu jugendrelevanten, auch unbequemen oder heiklen Themen. Unique ist randvoll mit Informationen gespickt, die auf ihre Leserschaft abgestimmt sind. Besonders gefiel der Jury außerdem, dass die Autoren frech, lustig und mit Nachdruck ihre Leser zu einem Feedback und zu selbstverantwortlichem Handeln auffordern.

Die Jury war und ist von der Gesamtpräsentation dieser Schülerzeitung so überzeugt, dass sie sie für die Bundesebene, den Schülerzeitungswettbewerb der Länder nominiert und weitergereicht hat.

Von der Landesjury wurde für Unique der 2. Landespreis in der Kategorie „Gymnasien“ vergeben.

3. Preis in der Kategorie Gymnasium – SuSuRRi

Text und Bild werden in Kürze ergänzt.

Sonderpreis Layout – Stichling

Eine Zeitung ist ein Gesamtprodukt. Da gibt es mehr als nur den Text. Sind die Artikel geschrieben, ist der Layouter gefragt. Er sucht die Bilder aus, bestimmt die Größe der Überschrift und legt Kopfzeilen und Seitenzahlen fest. Denn der Leser soll sich zurecht finden, die Seite soll ihn ansprechen und den Blick auf den Text lenken.

Das alles vereint der Stichling aus Bad Doberan. Die Zeitung orientiert sich an einem Grundlayout, wie es auch die professionellen Medien handhaben. Die Jury zeigt sich davon beeindruckt und überreicht dem Stichling einen Sonderpreis für das Layout.

 

 

 

1. Preis in der Kategorie Förderschule – Kobold Falko

„Der Kobold ist der Hausgeist, der das Haus schützt, aber seine Bewohner gerne neckt, allerdings ohne Schaden anzurichten.“ So definiert Wikipedia.

Ein Name der passt. Wenn man sich anstatt eines Hauses eine Schule denkt und anstatt der Bewohner Lehrer und Schüler, dann haben wir eine perfekte Namensbeschreibung für diese feine Schülerzeitung aus Behrenhoff bei Greifswald.

Wir freuen uns, dass in diesem Jahr der 1. Platz in Kategorie Förderschulen in Mecklenburg-Vorpommern an die Redaktion des Kobold geht. Im Januar noch bei unserer ersten Jurysitzung, der ersten Jurysitzung mit Schülerzeitungen, an der ich persönlich teilgenommen habe, war ich noch recht unschlüssig, was ich von einer Schülerzeitung aus einer Förderschule erwarten darf. Aus eigener Erfahrung vom Gymnasium weiß ich wie viel Engagement und Zeit in solch einer Zeitung stecken. Der Kobold ist uns sofort positiv aufgefallen. Die Grundelemente einer Zeitung finden wir ohne Probleme. Ein ordentlich gestaltetes Cover auf dem die wichtigsten Themen vorgestellt werden, ein kleines Impressum, Inhaltsverzeichnis und so weiter, alles Elemente die nicht selbstverständlich sind bei anderen Schülerzeitungen, die wir sichten durften.

Selbst beim Layout ist diese kleine Schülerzeitung manchem Gymnasium um Kleinigkeiten voraus, die wiederkehrenden Elemente auf jeder Seite und die Einteilung der Zeitung in Rubriken sei hierbei genannt. Doch den eigentlichen Charme findet man im Inhalt. Die aktuelle Liste der Geburtstagskinder ist ein Düsenantrieb für Glückwünsche, denn mal ehrlich: Wer freut sich nicht, wenn jeder in der Schule zum Geburtstag gratuliert, weil er deinen Namen mit Datum in der Schülerzeitung gelesen hat? Auch aktuelle Themen aus dem Schulleben kommen nicht zu kurz. Kleine Reportagen, die Vorstellung von neuen Schülern und des Schülerrates aber auch die Geschichte der Schule. Im großen und Ganzen eine runde Sache, an der nicht viel auszusetzen ist. Mein Fazit: Ansprechendes Design, Unterhaltung und das wichtigste an Informationen, ein gedrucktes Überraschungsei sozusagen.

Als ehemaliger Redakteur und „Mädchen für alles“ in meiner Schülerzeitung freue ich mich, dass auch an Förderschulen solch erstklassige Zeitungen gedruckt werden. An dieser Stelle gehört auch der betreuenden Lehrerin gratuliert, aber an erster Stelle den Schülern, denn ohne Schüler keine Zeitung.

Ich bitte nun einen kleinen Kobold nach vorne.

Falko Richter – Jugendmedienverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.

1. Preis in der Kategorie Regionale Schulen – Knuutsch

Man muss nicht Journalist werden wollen, um eine gute Schülerzeitung zu machen. Schülerzeitung ­ das ist für jeden ein Gewinn, der daran mitarbeitet. Er oder sie lernt zu planen, zu überzeugen, nachzufragen, seine Ideen zu vertreten, zu schreiben nicht zuletzt. Kein Blatt vor den Mund nehmen ­ das ist das Motto. Laut sein, ein bisschen unbequem ­ aber fair.

Schülerzeitung ist ein freies Medium, Ihr könnt ganz allein, ohne Druck von Oben, Ressortgrenzen oder Aktualitätszwänge entscheiden. Auf die Bedürfnisse des Lesers achten muss man aber doch. „Knuutsch“ tut das, bietet ein breit gefächertes Themenspektrum: Berufsorientierung, Schulinterna, Späße, Gedichte, große Hintergrundstorys zu aktuellen Jugendthemen. Respekt ­ der Landessieg bei den Regionalen Schulen ist verdient. Herzlichen Glückwunsch.

„Knuutsch“ ist nicht perfekt. Wäre ja auch langweilig. Es fehlen noch ein einheitliches Layout, ein stringentes typografisches Konzept. Und: Das Titelblatt bietet zwar hohen Wiedererkennungswert, ist auf Dauer aber zu monoton. Unser Tipp: Mit Layout-Standards und festgelegten Schrifttypen arbeiten, feste Rubriken einrichten, ein Titel-Grundgerüst festlegen, dessen Kern dann das jeweilige Aufmacher-Thema sein kann. Editorial muss sein, auch ein Ausblick auf die nächste geplante Ausgabe und den Wiedererkennungswert steigernde Seitenköpfe. Ist das zu viel Rummäkelei? Nein. Das sind schnell zu erledigende Äußerlichkeiten, eine wichtige Kleinigkeit. Sie kann ­ und wird hoffentlich ­ aus einer guten Schülerzeitung eine exzellente Schülerzeitung machen. Viel Spaß dabei ­ und herzlichen Glückwunsch.

Teilnehmer

Förderschulen

  • Claus („Claus Jesup“ Förderschule, Wismar)
  • Der Kobold (Förderzentrum Behrenhoff)
  • Objektiv (Landesschule für Blinde und Sehbehinderte, Neukloster)
  • Schülerzeitung (Sonderpädagogisches Zentrum Pestalozzi, Waren)

Grundschulen

  • BRIT – Bilder, Rätsel, Informationen, Tipps (Grundschule Tutow)

Gymnasien

  • Blitz (Richard-Wossidlo-Gymnasium, Waren)
  • Buschfunk (Goethe-Gymnasium Demmin)
  • Exmonte (Gymnasium am Sonnenberg Crititz)
  • Kieker (Oskar-Picht-Gymnasium Pasewalk)
  • Nuntius gymnasii (Gymnasium Malchin)
  • Sado – Schülerzeitung aus dem Osten (Goethe-Gymnasium Ludwigslust)
  • Stichling (Friderico-Francisceum Bad Doberan)
  • SuSuRRi (Käthe-Kollwitz-Gymnasium Rostock)
  • Unique (Gymnasium Lübz)

Regionale Schulen

  • Freunde (Regionale Schule Käthe-Kollwitz Rehna)
  • Schillerkurier (Regionale Schule Friedrich Schiller Anklam)
  • USE – Unser Schülerexpress (Regionale Schule Samtens)
  • Knuutsch (Werner von Siemens Schule Schwerin)